Olympische Spiele hinterlassen immer Spuren. Doch was bleibt von den Winterspielen Milano Cortina 2026 konkret für Skisport und Tourismus in Italien? Jenseits von Medaillen und großen Momenten bestimmen vor allem die Investitionen in Infrastruktur, Sportstätten und internationale Sichtbarkeit das eigentliche Erbe der Spiele.
Investitionen in die Infrastruktur
Die Spiele haben einen beispiellosen Investitionsschub in die italienischen Berggebiete gebracht.
Verkehr
- 38,9 Millionen Euro für die Erneuerung des Bahnnetzes im Veltlin
- Die Bahnhöfe Colico, Morbegno, Sondrio, Lecco und Tirano wurden komplett modernisiert
- Ausbau der wichtigsten Zufahrtsstraßen zu den olympischen Austragungsorten
- Neue Parkplätze und Umsteigeknoten
Sportstätten
- Cortina Sliding Centre: über 100 Millionen Euro für die Bahn für Bob, Skeleton und Rodeln, die ein dauerhaftes Trainingszentrum werden soll
- Livigno Snow Park: eine Anlage von Weltniveau, die Athleten und Freestyle-Fans erhalten bleibt
- Arena Antholz: Ausbau und Erweiterung des wichtigsten Biathlonzentrums Italiens
- Erneuerung der Sprungschanzen in Predazzo im Fleimstal
Unterkünfte und Dienste
- Olympisches Dorf Porta Romana (Mailand): wird nach den Spielen zu einem nachhaltigen Wohnviertel mit Grünflächen, Studentenwohnungen und Nahversorgung
- mehr Hotelkapazität in den Bergorten
- bessere Telekommunikation und 5G-Abdeckung in den Tälern
Was sich für die Skigebiete ändert
Bormio: weltweite Sichtbarkeit
Bormio hat dank der Stelvio-Piste enorme mediale Aufmerksamkeit bekommen. Die olympische Abfahrt haben Millionen Zuschauer verfolgt, der Name Bormio ist damit rund um den Globus bekannt geworden.
Die erwarteten Effekte:
- 20-30 % mehr Übernachtungen in den kommenden Saisons
- neue private Investitionen in Hotels und Unterkünfte
- bessere Verbindungen nach Santa Caterina Valfurva und zum Passo Tonale
Livigno: Hauptstadt des Freestyle
Livigno etabliert sich als europäische Adresse für Freestyle und Snowboard. Der neue Snow Park bleibt nach den Spielen in Betrieb und zieht an:
- Profi-Rider für Training und internationale Wettkämpfe
- ein junges, aktives Publikum auf der Suche nach Adrenalin
- Freestyle-Events auf Weltniveau
Cortina: die Rückkehr der Königin
Cortina d’Ampezzo bestätigt seinen Ruf als Luxusziel für den alpinen Skisport. Das neue Cortina Sliding Centre und die Erneuerung des Tofane-Gebiets sichern die Anziehungskraft für die kommenden Jahrzehnte.
Fleimstal und Antholz: Spitze im nordischen Sport
Das Fleimstal festigt seine Stellung als weltweites Zentrum für Langlauf und Skispringen. Antholz bleibt der wichtigste Biathlonort Italiens, mit einem Kalender internationaler Wettkämpfe, der für die nächsten Jahre bereits voll ist.
Die Herausforderungen: Klimawandel und Nachhaltigkeit
Am größten ist die Herausforderung durch den Klimawandel. Die italienischen Alpen erwärmen sich stärker als der globale Durchschnitt, mit direkten Folgen für den Skisport:
- die Grenze für verlässlichen Schnee steigt
- die Abhängigkeit von technischer Beschneiung wächst
- tiefer gelegene Gebiete haben weniger Betriebstage
- die Alpengletscher schmelzen
Die Spiele 2026 haben versucht, darauf zu reagieren, mit:
- Nutzung bestehender Anlagen, wo immer möglich
- Nachhaltigkeitszertifikaten für Neubauten
- Plänen zur Kompensation der CO₂-Emissionen
- Schwerpunkt auf erneuerbarer Energie für den Betrieb der Anlagen
Arbeitsplätze und Wertschöpfung
Die Olympischen Spiele haben spürbar Beschäftigung geschaffen:
- 4.500 direkte Arbeitsplätze während der Spiele
- 22.000 Vollzeitäquivalente in der gesamten Wertschöpfungskette
- dauerhafte Chancen in Tourismus, Liftbetrieb und Instandhaltung der Infrastruktur
Der Vergleich mit Turin 2006
Der Vergleich mit den letzten Winterspielen in Italien, Turin 2006, liegt auf der Hand:
| Aspekt | Turin 2006 | Milano Cortina 2026 |
|---|---|---|
| Konzept | konzentriert | dezentral |
| Bergorte | Sestriere, Bardonecchia, Pragelato | Cortina, Bormio, Livigno, Antholz |
| Schwerpunkt | Ski alpin und Eislauf | alle Disziplinen |
| Hinterlassenschaft | Sporthallen, Sprungschanzen | Sliding Centre, Snowpark, Bahnstrecken |
| Nachhaltigkeit | geringe Priorität | zentrales Element |
Wie es weitergeht
Über das Erbe von Milano Cortina 2026 entscheiden die nächsten 5-10 Jahre. Die eigentliche Aufgabe ist nicht das Bauen, sondern das Erhalten und sinnvolle Nutzen der olympischen Anlagen. Sie brauchen eine nachhaltige Nachnutzung, damit sie nicht zu Investitionsruinen werden, wie man sie von anderen Olympiaorten kennt.
Mehr zur Klimafrage in den Alpen lesen Sie in unserem Artikel über Klimawandel und die Zukunft des Skisports. Alle olympischen Skigebiete finden Sie in unserer Übersicht der Skigebiete.