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Blick über das Aostatal von La Salle bei Courmayeur

Foto: R Boed · CC BY 2.0 · Wikimedia Commons

Technik

Lawinensicherheit: Ratgeber für Freerider und Skitourengeher

Alles zur Lawinensicherheit: LVS-Gerät und Ausrüstung, Gefahrenstufen, richtiges Verhalten abseits der Piste und Kameradenrettung im Ernstfall.

Redazione Funivie.it 5. Februar 2026 4 Min. Lesezeit

In Italien gehen jedes Jahr Hunderte Lawinen ab. In der Saison 2024/25 rückte die italienische Bergrettung (Corpo Nazionale Soccorso Alpino) zu über 200 Lawinenunfällen aus, mehrere Menschen kamen ums Leben. Vorbeugung ist entscheidend: Wer Gefahren kennt, erkennt und richtig reagiert, kann Leben retten.

Die Lawinengefahrenstufen

AINEVA, der Verbund der italienischen Lawinenwarndienste, veröffentlicht täglich den Lawinenlagebericht mit der europäischen Gefahrenskala:

StufeBezeichnungSchneedeckenstabilitätAuslösewahrscheinlichkeit
1GeringAllgemein gut verfestigtNur bei großer Zusatzbelastung an extremen Steilhängen
2MäßigMäßig verfestigtBei großer Zusatzbelastung an den angegebenen Steilhängen
3ErheblichAn vielen Hängen mäßig bis schwach verfestigtSchon bei geringer Zusatzbelastung
4GroßAn den meisten Hängen schwach verfestigtWahrscheinlich, auch spontan
5Sehr großSchneedecke allgemein instabilSpontan sehr wahrscheinlich

Achtung: Stufe 3 „erheblich“ ist die tückischste. Statistisch passieren bei Stufe 3 die meisten tödlichen Unfälle, weil viele Skifahrer sie unterschätzen.

Die Notfallausrüstung, die immer dabei sein muss

Wer Freeride fährt, muss immer die Notfallausrüstung aus drei Teilen dabeihaben:

LVS-Gerät (in Italien ARTVA)

Das LVS-Gerät (Lawinenverschütteten-Suchgerät) sendet und empfängt ein Funksignal auf 457 kHz und macht verschüttete Personen auffindbar:

  • Unter der Kleidung tragen, eingeschaltet im Sendemodus
  • Nach einem Unfall auf Suchen umschalten, um Verschüttete zu orten
  • Suchbereich: 40-80 m, je nach Modell
  • Vor jeder Tour die Batterien prüfen
  • Digitale Geräte mit 3 Antennen sind am wirksamsten

Lawinenschaufel

Eine robuste und leichte Schaufel ist zum Ausgraben unverzichtbar:

  • Aus Aluminium, mit Teleskopstiel
  • Um eine Person aus 1 Meter Tiefe auszugraben, brauchen Sie mindestens 10 Minuten
  • Mit Schaufel graben Sie etwa zehnmal schneller als mit bloßen Händen

Lawinensonde

Ein zusammensteckbarer Stab (2,5-3 m), mit dem Sie die verschüttete Person genau orten:

  • Kommt nach der Ortung mit dem LVS-Gerät zum Einsatz, um die genaue Stelle zu finden
  • Senkrecht und in regelmäßigen Abständen in den Schnee stechen
  • Spüren Sie einen anderen Widerstand als Schnee, haben Sie die Person gefunden

Lawinenairbag (empfohlen)

Ein Airbag-Rucksack ist nicht vorgeschrieben, aber sehr empfehlenswert:

  • Bei einem Lawinenabgang bläst sich ein Ballon auf, der Sie an der Oberfläche hält
  • Senkt das Risiko einer Ganzverschüttung um 50 %
  • Kosten: 500-900 €, mit Gaskartusche oder elektrischem Gebläse

So schätzen Sie das Risiko ein

Die 5 Faktoren

Prüfen Sie vor jeder Abfahrt im freien Gelände:

  1. Lawinenlagebericht des Tages (auf aineva.it)
  2. Hangneigung: Lawinen lösen sich vor allem zwischen 30° und 45°
  3. Exposition: Nordhänge sammeln mehr Schnee und halten ihn länger
  4. Höhe: Oberhalb der Waldgrenze steigt das Risiko
  5. Die letzten 48 Stunden: Neuschnee, Wind und Temperatur

Alarmzeichen

Achten Sie im Gelände auf:

  • „Wumm“-Geräusche: Die Schneedecke setzt sich hörbar unter Ihnen
  • Risse im Schnee: sichtbare Brüche in der Schneedecke
  • Frische Lawinen: ein Zeichen für instabile Verhältnisse
  • Wechten: vom Wind verfrachtete Schneeüberhänge an Graten
  • Schneebretter: eine harte, kompakte Schicht über schwachen Schichten (gefährlicher als Pulverschnee)

Wenn eine Lawine abgeht

Wenn Sie selbst erfasst werden

  1. Versuchen Sie, seitlich aus der Lawine herauszufahren
  2. Wenn das nicht geht, befreien Sie sich von Ski und Stöcken
  3. Versuchen Sie, mit Schwimmbewegungen an der Oberfläche zu bleiben
  4. Wenn die Lawine langsamer wird, schaffen Sie mit den Armen einen Atemraum vor dem Gesicht
  5. Wenn Sie liegen bleiben, sparen Sie Kraft und bleiben Sie ruhig

Wenn Ihr Begleiter erfasst wird

  1. Merken Sie sich die Verschwindestelle (den Punkt, an dem Sie ihn zuletzt gesehen haben)
  2. Rufen Sie sofort die 112 an
  3. Schalten Sie Ihr LVS-Gerät auf Suchen
  4. Suchen: Folgen Sie dem Signal nach den Anzeigen des Geräts
  5. Sondieren: Orten Sie die verschüttete Person genau
  6. Schaufeln: Beginnen Sie talseitig unterhalb der Sondierstelle zu graben

Entscheidend: 93 % der Verschütteten überleben, wenn sie innerhalb von 15 Minuten befreit werden. Nach 35 Minuten sinkt die Überlebenschance unter 30 %. Die Kameradenrettung ist fast immer schneller als die professionellen Retter.

Lawinenkurse

In Italien bieten der CAI (Club Alpino Italiano) und die Bergführer strukturierte Kurse an:

  • Grundkurs (1-2 Tage): Umgang mit dem LVS-Gerät, Lesen des Lawinenlageberichts, praktische Übungen
  • Aufbaukurs (3-5 Tage): Schneedeckenbeurteilung, Tourenplanung, Notfallmanagement
  • Jährliche Auffrischung: Übungen zur LVS-Suche, neue Techniken

Richtpreise: 100-250 € für den Grundkurs, 300-500 € für den Aufbaukurs.

Geführtes Freeriden: die besten Skigebiete

In vielen Skigebieten können Sie mit zertifizierten Bergführern abseits der Piste fahren:

  • Alagna Valsesia: sehr erfahrene Bergführer am Monte Rosa
  • Courmayeur: die Guide di Courmayeur, eine der renommiertesten Bergführergesellschaften Italiens
  • Bormio: die Bergführer des Veltlins
  • Arabba: Bergführer vor Ort, die die Dolomiten bestens kennen

Aktuelle Schneelage und Lawinensituation: Bergwetter und Live-Webcams.

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#sicurezza #valanghe #artva #fuoripista #soccorso-alpino

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